Zwei Welten

Der türkische Künstler Uğur Gallenkuş kombiniert in seinen Foto-Collagen zwei vollkommen konträre Szenen und mach so auf geniale Weise auf die Ungerechtigkeit der Globalisierung aufmerksam. Das wäre ein interessantes Fotoprojekt zum Nord-Süd-Konflikt, könnte aber letztlich auch für andere sehr kontroverse Themen eingesetzt werden, z.B. Zersiedelung oder Schein-und-Sein der Werbewelt.

Extended Version: https://www.youtube.com/watch?v=C3EpHZeqk3c

Instagram-Kanal des Fotografen: https://www.instagram.com/ugurgallen

Werden Lehrpersonen überflüssig?

Du siehst: Ich habe von der Boulevard-Presse gelernt: ein provokanter Titel ist die halbe Miete!

Diese Frage wurde im bereits erwähnten YouTube-Kurs aufgeworfen (> siehe Blogbeitrag). Die Frage ist nicht ganz unberechtigt: Mein Sohn bereitet sich auf die Matheprüfung mit YouTube-Kanälen wie The Simple Club vor, weil diese Inhalte viel besser erklären als seine Mathe-Lehrerin.

Natürlich werden wir Lehrpersonen in absehbarer Zeit nicht wegrationalisiert, allerderdings müssen wir uns wohl oder übel damit abfinden, dass auch unser Beruf von der digitalen Transformation erfasst wird und sich unsere Funktion verändern wird. In einer Zeit, in der das gesamte Wissen der Menschheit jederzeit und überall abgerufen werden kann, muss sich zwangsläufig das Verständnis von «Lernen» und «Bildung» verändern. Dabei wird unsere Rolle sogar deutlich wichtiger, unser Job wird interessanter, aber auch anspruchsvoller. Unter dem folgenden Link findest du verschiedene Illustrationen, die diesen Shift thematisieren:

https://www.vedducation.de/2019/04/07/schule-im-wandel-eine-geschichte-in-15-bildern/

Ich denke, sie liefern eine Basis für interessante Diskussionen. Was denkst du darüber? Welche Illustration überzeugt dich? Welche weckt in dir Widerstände?

Escape Room

Letzthin besuchte ich mit meiner Familie den Escape Room an meiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Sek Andelfingen. Was die Klasse 3B1 mit Dominique Druey im Rahmen des Projektunterrichts auf die Beine gestellt hat ist absolut grossartig! Mit geschickter Teamarbeit gelingt es der Gruppe von Raum zu Raum zu gelangen und schliesslich das Rätsel eines vor 100 Jahren verschollenen Lehrers zu lösen. Dass man sich im ehemaligen Luftschutzkeller befindet geht bei der liebevollen Gestaltung eines alten Schulzimmers völlig vergessen. Du fragst dich nun wahrscheinlich, was das das nun mit digitalen Medien zu tun hat. Die Klasse setzt ihre iPads im ganzen Prozess völlig selbstverständlich ein: Von der Kooperation und Kommunikation bei der Planung, bei der Gestaltung des Flyers oder der Buchungsplattform, bis hin natürlich im Escaperoom selbst, wenn es mittels Augmented Realty einen Schritt weiter zu gelangen gilt oder wenn die Betreuer/innen die Gruppe mittels Webcam beobachten und coachen.

Für mich ist das ein Paradebeispiel für gelungenen Projektunterricht und eine wohltuende Abwechslung zum immer gleichen Eier-aus-dem-zweiten-Stock-werfen. Die Schüler/innen lernten auf verschiedensten Ebenen unglaublich viel und sind zurecht mächtig stolz auf ihr Werk. Rätselhaft ist mir aber nach wie vor, warum man die Projektarbeit erst buchstäblich im letzten Schuljahr einführt, und warum man dafür ein Fach macht! In der Welt draussen ist das projektartige Arbeiten Alltag…

Infos auf der Website der Schule:
https://www.sek-andelfingen.ch/7-news/451-escape-room

Escape Room in Andelfingen buchen: http://escaperoomsekandelfingen.simplybook.it

Zeitungsberichte:

Pro und kontra digitale Medien

Die digitale Transformation fordert die Schule massiv heraus: Die einen stürzen sich in einen wilden Aktionismus, andere verbarrikadieren sich hinter bewahrpädagogischen Argumenten. Um die Vielfalt an Haltungen (überspitzt) aufzuzeigen habe ich ein paar nicht ganz ernst gemeinte Videos produziert:

Erkennst du dich in einzelnen Statements wieder?

Übrigens die Videos wurden mit MSQRD (gratis für Android oder iOS) produziert. Ein witziges Tool, das man gut im Unterricht einsetzen kann, um fiktive Statements zu produzieren. Viel Spass dabei!

Das Tool der Wahl für solche Aktionen wäre im Zyklus 1 übrigens Chatterpix Kids:

Sinnfreies Beispiel:

YouTube und Fake News

Letzthin hatte ich den Auftrag, einen Kurs über YouTube anzubieten. Ich habe ihn von einem Lehrer geerbt, der kurzfristig ausgefallen ist. In der Ausschreibung standen v.a. die negativen Aspekte der Videoplattform im Zentrum, insbesondere Fake News.

Den Inhalt habe ich dann noch etwas praxis- und handlungsorientierter aufbereitet. Etwas gestaunt habe ich dann schon, als ein Teil der Lehrpersonen trotz vorgängiger Informationen ohne digitale Geräte erschienen ist: Hatten sie das Gefühl, dass Ihnen nun während eines ganzen Nachmittags Ungeheuerlichkeiten präsentiert würden, die den Jugendlichen auf YouTube so begegnen? Erwarteten sie, dass sie sich ihre Vorurteile bestätigen lassen könnten, ohne dass sie einen Bezug zum eigenen Unterricht herstellen zu müssten? Dafür ist Weiterbildungszeit wohl definitiv zu wertvoll.…

Mit dem Lehrplan 21 sind wir definitiv aufgefordert, die Kinder und Jugendlichen zu Medienkompetenz hinzuführen. Eine Kompetenz lässt sich allerdings nicht verordnen, schon gar nicht, wenn man selber nicht darüber verfügt. Aber wie schafft man es denn? Hier ein paar Gedanken dazu:

Sich interessieren

Man muss nicht alles toll finden, was die Jugendlichen im Netz (und sonst wo) anstellen, aber man sollte sie nicht mit moralisierenden (Vor-)Urteilen konfrontieren.

Stattdessen sollte man ihnen mit wachem Interesse begegnen und ihre Faszination zu verstehen versuchen (das heisst nicht dass man sie teilt). Dazu gehört aber auch kritische Fragen zu stellen. In der folgenden Liste findest du einen repräsentativen Querschnitt zu typischen YouTube-Inhalten und Kanälen: http://tiny.phzh.ch/gmi_youtube

In der anschliessend Diskussion wurde beispielsweise gefragt, was der Reiz an «Let’s Play» Videos sei, bei denen man einem Gamer beim spielen zuschaut. Das wurde verschiedentlich wissenschaftlich untersucht, Studienergebnisse findet man z.B. hier.

Manchmal finde ich bei solchen Fragen die Suche nach Analogien interessant: Beispielsweise könnte man es als genauso absurd bezeichnen, wenn Leute freiwillig anderen beim Fussballspielen zuschauen, oder nicht? Oder ist es wirklich so schockierend, wenn Jugendliche als Berufswunsche «YouTuber» angeben? Ist das nicht viel mehr ein Ausdruck einer ziemlich narzistischen und konsumorientierten Welt? War der Berufswunsch Pilot, Rockstar und Schauspielerin nicht genau so unrealistisch und naiv?

Hintergründe verstehen

Um Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Medienkompetenz begleiten zu können, muss man zwangsläufig auch ein gewisses Wissen haben. Wie wird YouTube finanziert? Woher kennt YouTube meine Interessen und Vorlieben? Wie erkenne ich Falschinformationen? Was heisst Deep Fake? Deep Fake kommt von «Deep Learning» (für künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen) und «Fake» (also «falsch»).

Im folgenden SRF-Beitrag (nichts für zartbesaitete Gemüter) wird es erklärt:

Medienkompetenz über eigenes Handeln

Aus meiner Sicht der entscheidende Faktor für den Aufbau von Medienkompetenz ist das eigenen Handeln und das Nachdenken darüber. Indem die Schüler/innen selber Filme produzieren und veröffentlichen werden sie zwangsläufig mit medienbildnerischen Fragestellungen konfrontiert: Wie gestalte ich den Film, damit er seinen Zweck erreicht? Wie ist das schon wieder mit dem Urheberrecht und den Persönlichkeitsrechten der dargestellten Personen? Welche technischen Voraussetzungen müssen beachtet werden? …

In der Linkliste zum Kurs findest du viele Ideen, Materialien und Tools, die dich bei der Nutzung von YouTube im Unterricht unterstützen:

https://www.schabi.ch/c/ytwb

Storytelling

Storytellingvorlagen für den Unterricht

Komplexe Sachverhalte lassen sich deutlich besser speichern, wenn sie anhand einer Geschichte, anstatt ausschliesslich über Zahlen und Fakten vermittelt werden. Hier findest du Hinweise und Materialien für Storytelling im Unterricht, u.a. Vorlagen für das Entwicklen von Geschichten:

Hier findest du Vorlagen für die Vorbereitung eines Vortrags:

Photopea

Der Autor hat sich ein paar Mal ins Politiker-Gruppenbild geschmuggelt…

Photopea ist ein webbasierte Bildbearbeitungssoftware, die sich gratis und ohne Account nutzen lässt. Wer schon mal mit Photoshop gearbeitet hat merkt: Dieses Tool lässt keine Wünsche offen, alle Funktionen für professionelle Fotomontagen wie Masken, Einstellungsebenen und ausgeklügelte Auswahlwerkzeuge sind enthalten.

Neben dem gestalterischen Aspekt hat ein Bildmanipulationstool natürlich vor allem eine medienbildnerische Relevanz: In der Werbung und der Modebranche gibt es kein Bild, das nicht massiv bearbeitet wurde. In Social Media Kanälen wird hemmungslos die Realität verfälscht – Fakebilder sind gar nicht so einfach zu erkennen.

Photopea lässt sich ab der 6 Klasse einsetzen. Allerdings ist das Tool relativ komplex. Die Schüler/innen können sich die Grundtechniken anhand von Videotutorials selber beibringen:

Für Lehrpersonen gibt es auf der Metaebene eine Unterrichtsskizze und Hintergrundinformationen zum Thema Bildmanipulation:

Nachtrag zur WB vom Gründonnerstag

Ziel der Veranstaltung war es, ein gemeinsames Verständnis für die Umsetzung des Moduls «Medien und Informatik» über alle Zyklen hinweg zu entwickeln und erste konkrete Schritte zu machen. Beim gemeinsamen Einstieg wurde der Kompetenzaufbau anhand eines Rasters eingeführt, sowie Webplattformen für die Umsetzung präsentiert: meta.wintablets.ch und meta.ipadschule.ch.

Die Rückmeldungen zum Raster wurden in Form von Kommentaren in die digitale Version übertragen: Raster Kompetenzaufbau

Es können auch nachträglich Kommentare ergänzt werden. Hier ein paar allgemeine Rückmeldungen, die den Flips entnommen wurden (Klammerbemerkungen bei Verständnisproblemen meinerseits):

  • Gutes Arbeitsinstrument
  • sehr übersichtlich
  • Z1 klar
  • Z2/3 schwierig, bzw. zeitintensiv (nicht alle SuS auf gleichem Stand)
  • Übertritt iPad > PC: neue Benutzungskonzepte, z.B. Dateiexplorer
  • Einführungsphase ≠ sie könne es!
  • Z1: unrealistisch mit aktuellen Gerätezahl
  • viel Zeit? (> habe ich nicht verstanden…)
  • Freiheit: Medien, Vielfalt, Umsetzung (> habe ich nicht verstanden)
  • Medienkompetenzen auch analog > keine Panik!
  • Vieles mach man schon nebenbei, nicht bewusst
  • Kinder bringen vieles rein
  • einiges für LP sehr aufwändig > Mehrwert für SuS? (z.B.?)

Nach der Pause wurden in Stufen konkrete Unterrichtsbausteine erarbeitet. > Flips der Schlussrunde im Buck

Hier nochmals die Adresse der Linkliste zur Veranstaltung:

http://schabi.ch/c/lindau

Materialsammlung für den Informatikunterricht

Auch wenn beispielsweise an der Sek das fehlende Lehrmittel bemängelt wird: An geeigneten Materialien für «Medien und Informatik» mangelt es sicher nicht. Letzthin bin ich über eine weitere Materialsammlung der Forschungsstelle «Digitale Nachhaltigkeit» der Uni Bern gestolpert: https://lp21informatik.ch. Das grosse Problem ist allerdings weniger der Mangel an Materialien und Ideen, als vielmehr aus dieser Fülle die richtige Wahl zu treffen. Viele Materialien überschneiden sich, bei der einen Sammlung gefällt mir vielleicht nur ein Teilbereich, der bei einer anderen Sammlung nicht überzeugend gelöst ist. Diese Wahl zu treffen braucht einfach unglaublich Zeit. Und kaum hat man sich festgelegt, taucht am Horizont garantiert die ultimative neue Lösung auf…

Trotzdem, hier zusammenfassend nochmals weitere themen- bzw. plattformspezifische Sammlungen für die Informatik der PHZH: